Du versaust mir Ibiza nicht du Heini …

Posted in Storytelling, Geschichten des Lebens
on 27. Mai 2019

Es geht hoch her in Österreich. Just vor den EU Wahlen tauchte ein ominöses Video auf bei dem sich der (jetztige ex) Vizekanzler zum Nackabatzl (ö für nackig) machte, zumindest im übertragenen Sinn, und Pressefreiheit, staatliche Unternehmen und sonst noch so einiges über Redbull Vodka auf den inoffiziellen Verhandlungstisch brachte.  Dass das was mit mir macht, ist klar, macht es mit jedem in Österreich. Was jetzt aber bei dieser Europawahl rauskommt, hat mich so berührt, dass ich die goldene Regel breche, und in meinem Blog auch mal über Politik schreiben muss. ….

Ich muss ja nicht groß ausführen was das Strachevideo in Zusammenhang mit Ibiza bedeutet, ich muss auch nicht erklären, dass ein Politiker Werte und Überzeugungen mit den Füßen getreten hat. Das Video kennt jeder.

Aber was mich wirklich schockiert, ist was die Österreicher und Österreichinnen dann tun. Sie geben der Partei den Vorzug die diese katastrophale Koalition eingegangen ist, die Wochen, wenn nicht Monatelang, “Ausrutscher” , ihrer an rechten Ideologien orientierten Partner, als Kavaliersdelikt angenommen hat. Und dann noch eine weitere Ösi-Watschen (Ohrfeige). Die für den Politiker verantwortliche Partei, bekommt bei der Europawahl nur eine “kleine” Abmahnung. Egal, ist ja nur eine “bsoffene Gschicht” bei der ein Politiker, der Aussicht auf den Vizekanzler hatte, den Ausverkauf Österreichs an Russen und weitere Kollaborationen in Möglichkeit stellte.

Ich bin so fassungslos. Ich bin Ende der 70er geboren. Meine Eltern brachten mir Werte bei, Moral, ja sogar Verpflichtungen lernte ich noch. Wenn jemand einen Fehler gemacht hat, dann sollte er ihn ausbessern, auch wieder gut machen was er falsch gemacht hat. Offensichtlich gilt dieser Wert nicht mehr. Offensichtlich wird man in dieser Gesellschaft jetzt dafür belohnt, dass man den Wähler für deppert verkauft und kriegt auch noch genug Vorzugsstimmen um ins Europaparlament einziehen zu können. Ein korrupter Politiker der die Pressefreiheit  einschränken möchte, Postenschacherei in Aussicht stellt, und dann auch noch die österreichische Wirtschaft an den meistbietenden verhökert?

Bitte was ist echt mit euch los?

Aber es geht ja noch weiter. Mittlerweile fühl ich mich wie bei Denver Clan für Ösis, ein bissl bsoffen halt, aber irgendwie doch durchdacht, mit Druck auf die Tränendrüse. “Ohhhhh, das arme Opfer Bundeskanzler. Ojemine, der hat ja 24 Stunden gebraucht, um dann mit einer perfekten Wahlkampfansprache zur Primetime an seine Zielgruppe, die braven konservativen Bürger und Bürgerinnen, zu kommen? Oje, der ist ja so arm, na der kann ja nix dafür. Geben wir ihm halt die Stimme, er schaut so lieb.” Wir Österreicher sind sogar so verblendet, dass der zu allen korrupten Taten bereite Politiker sogar noch Vorzugsstimmen kassiert, um dann vielleicht auch noch ins EU Parlament zu gehen. Hätte mir jemand einen Film vorgespielt, ich hätte es ihm nicht geglaubt.

Liebe Österreicher und Österreicherinnen, lasst euch eines sagen. Das ist ein durchinszenierter Politikschauplatz. Hollywood vom Feinsten. Die Sozialdemokraten und Grünen sind tatsächlich die einzigen in diesem Politdrama, die davon überrascht waren. Alle anderen haben entsprechend ihrer Rollen reagiert. Schaut euch doch einfach mal die Zeitverläufe an. Die inszenierten Bildern, die Slogans die plötzlich so passend auftauchten.

Mein Österreich ist sozial. Das soll es auch bleiben. Und grün soll es auch bleiben, oder werden. Denn was hilft uns der Wirtschaftsstandort Österreich wenn wir kein Österreich mehr haben, sondern nur mehr eine zerstörte Erde. Was hilft uns eine Gesellschaft mit Steuerbonus, wenn die Menschen für Bildung, und Wohnen so dermaßen zahlen dass sie sonst nix haben. Was hilft uns Grenzen zuzumachen wenn dann niemand mehr da ist, der uns in der Arbeit die Hand reicht, von dem wir kulturell lernen?

Schlechte Menschen gibt es überall, Menschen die andere ausnutzen sind Inländer gleichermaßen wie Ausländer. Österreicher können ihre PartnerInnen auch verprügeln, demütigen und einsperren, leider auch. Gestörtheit kennt keine Nationalität. 

Ich lebe zurzeit in der Steiermark. Im schwarzblauen Eldorado. Alles muss ordentlich sein, und sauber und keiner darf auffallen. Und Ausländer dürfen halt hier sein, aber nur weil wir so brav in die Kirche gehen und Jesus sagt wir sollen lieb sein. Ich habe gelernt mich hier zurück zu halten. Bin leise geworden. Trau mich nicht mehr über Politik und Menschenrechte zu reden, weil es ja dann eh heißt, “na die ausländer kommen eh nur zum schmarotzen her”. Es gibt Ausnahmen, aber nicht mal in meiner Familie kann ich behaupten, dass ich in eine bekennende linksliberale Familie geboren bin. Aber ich habe es satt. Ich habe es satt mir von konservativen und rechten Politikern meine Stimme verbieten zu lassen.

In Wien laufen gerade rechtsradikale herum, die Kunstwerke zur Mahnung an den Holocaust zerstören. In Graz werden Menschen, die in ihrer Muttersprache sprechen, auf der Straße angepöbelt, “mit dem Pack reden wir gar nicht” obwohl sie bestens integriert sind. In meinem Ort, der 10000 Menschen hat, gibt es kaum jemand mit dunkler Hautfarbe, kulturelle Hintergründe bleiben unter sich, man will nicht auffallen. Wir sind sowas von vor 1934, wir stehen an der Kippe zu etwas dass sich nie wiederholen sollte.

Und darum ist es so wichtig, dass wir nie vergessen was passiert ist. #gegendasvergesssen  – Dass wir nicht sagen, ach der Krieg ist schon so lange her, das ist doch nicht schlimm. Doch, ist es. Und da gibt es dann doch die Möglichkeit es anders zu machen. Aber nur wenn wir es anders machen. Wenn wir nicht Fremdenhaß, Machtspielchen und korrupte Politiker entscheiden lassen, sondern Menschen, soziales Denken und unser friedliches Miteinander. Wir haben es in der Hand die Geschichte zu ändern. Aber nur wenn wir anders handeln als vor 85 Jahren. Gedenken ist wichtig um dasVerhalten zu ändern. Nicht um Schuld zu erzeugen. Sondern um zu wissen dass es anders geht, um aufzustehen und zu sagen “NEIN NICHT SCHON WIEDER UND DIESMAL ANDERS”.

Mein Österreich ist ein soziales Österreich, wo die Menschen aufeinander schauen. Und genauso werde ich es auch unterstützen. 

 

 

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