Ein kleines gallisches, nein steirisches, Dorf

on 30. November 2021

leistet erbittert Widerstand.

Ganz ehrlich, meinen Wohnort verrate ich euch hier nie. Das hat seine Gründe. In einem 10.000 Seelendorf lebt es sich wie in einem gallischen Dörfchen, der Fischverkäufer wirft zwar nicht mit Fisch, aber der Bauernmarkt ist eine Verbindung regionaler Stärke, jeder kennt jeden, und weiß über jeden eine Geschichte. Ich habe nie ganz verstanden wie ich “sein muss” um dazu zu passen. Und so ganz hab ich das nie. Die halbe Wienerin, die alleine mit Kind lebt, die zwar aus einer respektierten Familie kommt, aber so gar nicht in das Schema dieser Familie passt (brav, kooperativ und immer freundlich). Nein, ich schreibe einen Blog der vielen Leuten (inklusive meiner Familie) nicht passt. Ich stelle Fragen die unangenehm sind.

Und in diesem Dorf ist jetzt was ganz Besonderes passiert.

Wir sind zu einer Einheit geworden. In einer Zeit wo wir durch Massnahmen seit fast zwei Jahren immer wieder isoliert werden, haben wir es nun geschafft eine Verbindung herzustellen. Ich fühle mich hier nicht mehr allein.

Es begann mit einer Fackelwanderung

Keiner weiß woher die Initiative kam. Wir wissen nur dass ein online Flyer unterwegs war. Dieser besagte “wir lassen uns das nicht gefallen, Fackelzug in G…..” und “nehmt Grablichter, Kerzen, Fackeln mit” diese würden dann vor dem Rathaus niedergelegt. Und es kamen Menschen. Der erste Fackelzug war ein wundervolles Erlebnis, denn keiner brüllte, keiner schrie. Wir redeten, wir gingen, und wir halfen einander. Es waren Familien aus G…. und Umgebung, Menschen die hier leben, die ein Zeichen setzen wollten. Es war der wundervollste Zug den ich je sah, und erst jetzt versteh ich wieviel Frieden davon ausging.

Dieser Frieden zog sich auch in umliegende Bezirke, und dieses kleine Dörfchen, mit bisher so wenig Zusammenhalt wurde zum Vorbild für andere Dörfer sich zu sammeln. Sogar die Menschen aus der nächsten Bezirkshauptmannschaft Stadt kam hierher weil sie noch keine Möglichkeit ihre Stimme zu erheben aufgebaut hatten.

Wo Emotionen kochen

Wir alle sind am Ende unserer Geduld. Die Politiker die glauben sie tun das richtige (manchmal frage ich mich ob sie wirklich ALLE Informationen bekommen, oder ob sie sich nur die “angepasste” Realität des Mainstreams reinziehen). Die Menschen, die ihre Jobs verlieren, deren Kinder unter den Massnahmen leiden, die mit Existenzängsten und Unsicherheiten verunsichert werden. Auch den Menschen die wirklich in der Angst leben, die tatsächlich glauben eine Schlumpfung sei ihre einzige Wahrheit. Alle sind wahnsinnig angespannt. Und dann gab es halt Leute aus dem Dorf die offenbar auch Kerzen vor des Bürgermeister Hauses aufgestellt haben. Das ist witzig wenn man wütend ist. Beim zweiten Gedanken muss ich allerdings gestehen, ich fände es irgendwie auch bedrohlich, wenn jemand Kerzen vor meiner Tür aufstellt weil ich diesen Blog schreibe.

Etwa drei Tage später las ich in Berichten des ORF (online österreichweit), ORF Steiermark und des Standard sowie der Kleinen Zeitung dass sich unser BM bedroht gefühlt habe, dass Menschen vor seinem Haus gerufen hätten, und dass seine Frau einen Drohbrief (der BM solle abdanken) an ihrer Fensterscheibe des Geschäfts hatte.

Nun, ich wusste nicht mal wo der BM wohnt, noch welches Geschäft seiner Frau gehört. Und ehrlich gesagt ist es mir auch egal. Weil ich mache meinen Job, und was ich privat mache ist meine Sache, so halte ich das auch mit anderen.

Wenn man beginnt zu eskalieren

Und hier wird es nun schwierig. Offenbar haben sich dritte wohlmeinende Berater eingeschalten. Anders kann ich mir die Schmutzkampagne auf unser Dorf nicht erklären. Denn keiner war da. Keiner der Medien die offenbar alles über uns wussten. Ganz schlimm hat es übrigens meiner Meinung nach der Standard gemacht. Früher ein Qualitätsblatt, machen sie zurzeit schwere Fehler in ihrer Arbeit. Ein sehr beliebter Bürger unserer Stadt wurde angerufen und zur Veranstaltung befragt. Er verneinte, dass er das organisiert habe, und begann mit dem Journalisten zu plaudern. Das was in diesem vertraulichen Gespräch gesagt wurde, und auch von ihm als Frage ins Gespräch gestellt wurde, wurde dann als eine Form Interview abgedruckt und warf ein vollkommen verzerrtes Bild auf diesen sehr geschätzten Bürger. Des weiteren bedroht es auch seine Existenz. Dieser Bürger hätte jedes Recht auf seiner Seite diese Zeitung zu belangen.

Nun gut. Der BM des Dorfes ist (meiner Information nach) hier aufgewachsen. Eine alte G……er Familie wie ich es gehört habe. Nun, ich bin hier im nahen Umland aufgewachsen, hier in der Schule gewesen, hatte Freunde, ich kenne den Ort gut. Sicher nicht so wie er, aber ich bin auch G…..in mit Herz. Ich denke nicht, dass er sein Dorf in den Dreck ziehen wollte. Und ich glaube ihm, dass er Angst bekommen hatte. Wie gesagt, es ist ein kleines Dorf.

Aber durch diese Kampagne in den Medien rief er dann tatsächlich “extreme” Kräfte auf, sich mal unser Dorf anzusehen. Und in dieser Medienkampagne wurde unser FRIEDLICHER FACKELZUG auf einmal zur Versammlung der Rechten und Linken Kräfte und sonstiger Unruhestifter erklärt. Das war er nie. Und das ist er immer noch nicht.

Ganz ehrlich, ich weiß nicht, auf wessen Mist diese Berichte gewachsen sind, aber diese Journalisten leben definitiv nicht hier. Mein Dorf ist friedvoll. Manchmal fast sogar kitschig (der Hauptplatz in der Vorweihnachtszeit ist der schönste Ort). Und wir haben diese Vorurteile nicht verdient. Wir haben unsere Fehler, genauso wie jeder Mensch. Aber sind wir nicht primär alle mal Menschen. Mit Wünschen, Bedürfnissen und Träumen? Und ja, auch mit bestimmten Vorstellungen von Realität, von Wahrheit und auch Vorurteilen und Bewertungen. Aber radikal sind wir hier deswegen immer noch nicht. Radikal ist maximal der Journalist der uns das zuschreibt ohne uns je gesehen zu haben, oder unsere Geschichte von Herzen gehört zu haben.

Warum ich zurück gekehrt bin

Vor sieben Jahren kam ich nach 18 Jahren Wien wieder zurück. Im Schlepptau mein Baby. Wien war mir zu viel geworden, und meine Familie lebt hier. Mein Dorf war ein schöner Rückzug. Ich vermisste die Möglichkeiten der Stadt, aber mein Kind liebte es. Und letztes Jahr im Herbst zog ich dann wieder (für drei Monate) nach Wien. Ich dachte da sei ich glücklicher (der Vater meines Kindes lebt da noch). Aber ich spürte dass ich dort auch nicht mehr glücklich sein kann. Vor allem haben die Massnahmen der letzten zwei Jahre allen Charme und Esprit aus Wien gezogen und wenn man Kunst und Kultur aus Wien abzieht, oder unter medizinische Bedingungen knüpft, dann ist wie einfach nur morbid und depressiv. Also kamen wir letzten Winter wieder zurück, zuerst zu meinem Elternhaus, dann in eine sozial Wohnung der Gemeinde (für die ich sehr dankbar bin).

Warum das wichtig ist. Weil ich jetzt weiß was ich hier habe. Ich habe Wien in der Massnahmenzeit, in der Pandemie erlebt, und nun bin ich wieder hier und lebe gut. Wir haben unsere Bauern, ich bin so unfassbar dankbar für diesen Bauernmarkt, wir haben einen schönen Hauptplatz, der zwar viel zu selten genutzt wurde, aber der so viel Möglichkeiten bietet. Wir haben viele Familien mit Kindern. Und gerade jetzt, jetzt wo klar wird, das nie wieder so wird wie zuvor, vernetzen sich diese Familien.

Ein Dorf leistet Widerstand.

Und deswegen gehen diese Fackelzüge weiter. Weil wir ein Dorf sind, das zusammenhält. Weil uns keine Regierung und keine Medien spalten können. Weil alle die glauben, wir wären radikal eines besseren belehrt werden. Und wir laden alle Medien herzlich zu uns ein sich vom Gegenteil zu überzeugen. Mein Dorf ist keine Versammlung von radikalen, schwurblern oder sonstigen Randgruppen. Mein Dorf ist vielleicht wirklich das Herz in Österreich. Weil wir uns nicht spalten lassen. Weil wir, egal ob Geimpft oder nicht, füreinander einstehen. (und ja, diese Impfung hat unfassbar viel Spaltung erzeugt)

Weil wir unsere Kinder schützen, und weil vielen die Wahrung unserer Grundrechte wichtig ist. Weil wir einander respektieren können, selbst wenn wir anderer Meinung sind.

Dieser Fackelzug hat keine zentrale Organisation. Es ist eine Initiative, die sich durch unabhängige BürgerInnen gestaltet. Es gibt keine zentrale Leitstelle wo ausgetauscht oder koordiniert wird. Es sind die Menschen die hier leben, die angefangen haben miteinander zu sprechen, sei es online oder real. Und solange es Menschen gibt die diese Organisation anmelden, die diese moderieren, die diese begleiten, wird es einen Fackelzug geben.

Für ein neues WIR, für ein neues MITEINANDER, für eine Gesellschaft wo die GEMEINSCHAFT Unterschiede akzeptiert, und wo Grundrechte ohne Bedingung akzeptiert werden.

Danke du kleines steirisches Dorf, dass du nach sieben Jahren mit dieser Aktion mein Herz erobert hast.

Und tausend dank an den Unbekannte/n der oder die den ersten Marsch organisierte. WER BEHAUPTET EINER ALLEINE KÖNNE NICHTS ÄNDERN hat unser Dorf noch nicht gesehen.

Dieser EINE MENSCH hat nun ein Dorf verbunden das gespalten war!

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